Donnerstag, 27. März 2014

Streit um den Wassertourismus

Piraten auf der Saale - vom AHA verflucht!
Eins wollen wir zu Beginn festhalten: An der Peißnitz ist nichts mehr natürlich, spätestens seit das Dorf Gimritz im Hersfelder Zehnverzeichnis erwähnt worden ist (hier nachlesen) gestaltet der Mensch die Insel. Die Peißnitz war slawische Siedlung, Klostergut, Privatgut, Ferienkolonie, Vergnügungspark, Messegelände, Park undundund ... Purnatur, wie sie sich der Romantiker vielleicht vorstellt, gibt es hier schon lange nicht mehr. Es gibt gestaltete Natur, die aus vielerlei Gründen auch immer wieder gestaltet werden muss (nicht nur kann), das können wir bedauern, aber nicht ändern.

Mitten in der Stadt und zu Wasser

Allein ist man auf der Insel ohnehin nicht. Heute ist die Peißnitz ein beliebtes Ziel für viele Hallenserinnen und Hallenser. Das verwundert auch nicht, denn die Peißnitz liegt mitten in der Stadt. Was auch immer gerne vergessen wird: Es wohnen auch Menschen auf der Peißnitz. Gimritz ist wieder bewohnt. Alteneinrichtung, Kindergarten, Peißnitzhaus und Tennisplätze kommen dazu.
So ist es im Sinne der vielen Besucher, wenn sich die Stadtverwaltung Gedanken um Gestaltung und Nutzung der Insel macht. Im Moment gehen die Gedanken der Verwaltung um eine Förderung des Wassertourismus.
Wie wir hier bereits berichtet haben, gehen die Überlegungen der Planer in der Stadtverwaltung auch in die Richtung, das Nebenarme der wilden Saale für den Wassertourismus geöffnet werden sollen. Das Wassertourismuskonzept soll neben einem bereits vom Stadtrat beschlossenen Konzept für die Peißnitz entstehen. Das ist begrüßenswert, denn schon jetzt wirken Fluss und Insel wie ein Magnet. Weitere Anlegeplätze für Boote und Schiffe am MMZ und am Peißnitzhaus könnten entstehen. Wer sich mit der Geschichte des innerstädtischen Flusslaufes auskennt, weiß um die vielen Reste von alten Anlegern und Bootstegen. Die Infrastruktur heute ist dagegen geradezu armselig. Der Wunsch des Peißnitzhaus nach weiteren Entwicklungsmöglichkeiten der Insel ist hier bescheiden.

  Aber wo bleibt der Naturschutz?

Dagegen macht der Arbeitskreis Hallische Auenwälder (AHA) nun mobil und stellt wichtige Fragen:
Nur in welchem Umfang kann diese besondere, sensible Natur und Landschaft menschlichen Tourismus verkraften ? Ab welcher Intensität fängt der Mensch an Fluss und Aue zu schädigen? Quelle hier klicken...
Ob Paddler in der wilden Saale und Motorboote auf dem Hauptstrom die Auenlandschaft schädigen und das nachhaltig, das scheint mir wenig stichhaltig. Den Beweis für Schädigungen erbringt der AHA in seiner oben aufgeführten Presseerklärung nicht. Und warum machen Paddler größere Schäden als die Massen an Joggern und Montainbikern auf der Nordspitze, von der illegalen "Vogelbeobachtungstation" im Wipfel eines Baumes mal ganz abgesehen? Auch hier erbringt der AHA keinen Beweis, seine Argumente sind reine Rückzugsgefechte.Wenn dann noch falsch recherchiert wird, wird es ganz bedenktlich: Tatsächlich gab es Baumfällarbeiten rund um die Sandinsel an der Südspitze der Insel in der Wilden Saale. Um den kleinen Baum, der auf der Insel gewachsen ist und der schon ein Freund von mir war, tut es mir sehr, sehr leid. Aber hierfür ist nicht die Stadt verantwortlich, sondern das LHW, dass die Fließgeschwindigkeit beim Hochwasser auch in den Nebenarmen der Saale damit erhöhen möchte. Das steht im Zusammenhang mit dem Neubau des Gimritzer Damms. Der ist notwendig, wenn die Bebauung in Halle Neustadt weiterhin Bestand haben soll.
Motorboote auf der Saale - Chance oder Fluch?

Motorboote ein Problem

Ich muss dem AHA aber in der Hinsicht recht geben, dass die Motorboote in der Tat ein Problem darstellen. Damit meine ich nicht die Ausflugsdampfer und die gemächlich dahintuckernden Flussschiffer. Ob man aber mit Schnellbooten, wie sie vor Nizza oder St. Tropez angebracht wären, über die Saale rasen muss ohne Rücksicht auf Verluste, wie oft genug beobachtet, das steht auf einem anderen Blatt. Motorboote an bierflaschenschwingenden Jugendlichen auszuleihen, die sich Verfolgungsjagden auf der Saale liefern, das ist zumindest grenzwärtig. Gut zu ertragen sind dagegen Partyboote wie die Saalekringel, die drehen geradezu gemächlich ihre Runden. Aber nicht alleine die Dinge, die Motoren haben, sind rücksichtslos unterwegs. Ruderbootsbesatzungen, die die Saale für ihre private Trainingsstrecke halten, agieren oft sehr schnell und gefährlich auf dem Wasser. Eine Ausweitung des Wassertourismus ist nur möglich, wenn hier mehr gegenseitige Rücksichtnahme erfolgt. In der Hinsicht ist noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten.
Eine Freigabe der Nebenarme der Saale ist nicht wünschenswert und steht auch nicht zur Diskussion. Wie aber kann die Erlaubnis für Paddler und ein Befahrungsverbot für Motorboote juristisch und praktisch durchgeführt werden. Hier steckt der Teufel wahrlich im Detail und ich bin auf Lösungsvorschläge gespannt.

Die Natur kehrt zurück und das trotz Menschen

Wie bitte sollen wir die Leute denn davon abhalten, ihre freie Zeit auf der Peißnitz zu verbringen? Was machen wir mit den Freizeitstätten, Kindergarten, Heim? Sollen die Bewohner entschädigt und umgesiedelt werden. Soll das Peißnitzhausprojekt sterben? Soll die Peißnitz wieder wüst werden oder soll sie das bleiben, was sie momentan ist, eine lebendige Insel? Was nützt uns die Natur, wenn wir uns in ihr nicht bewegen dürfen?
Die Natur kehrt in die Städte zurück und die Artenvielfalt ist hier teilweise größer als auf dem Land mit seiner intensiven Landwirtschaft. Die Hochwasser haben zur Vermehrung der Arten nach meiner Beobachtung beigetragen. Die vom AHA angesprochenen Eisvögel, Reiher habe ich hauptsächlich im Hauptstrom beobachtet. Biber wurden noch nicht gesichtet. Es gibt nur die berühmten Nutrias rund um die Peißnitz.

Mehr Wassertourismus, unbedingt, aber ..

 ich habe wenig Hoffnung, das Miteinander, Rücksicht auf andere und die Natur wirklich überwiegen werden. Aber sollte deswegen alles verboten werden? Wollen wir es nicht einfach mal probieren? Hat sich der Mensch nicht oft als besser herausgestellt, als wir befürchtet haben (oft auch als schlechter, ok).  Das Mißtrauen des AHA würde ich nicht zu einer Richtschnur für das Weiterleben auf der Flussinsel werden lassen wollen. Das hieße in letzter Konsequenz, alle Brücken abbrechen und die Insel sich selbst überlassen. Das ist nicht möglich und überlegt auch keiner, außer vielleicht Robinson L. Aber ich komme Freitag ... 

Euer Rio



Kommentare:

  1. Das es Unterschiede zwischen natürlich, naturnah und naturnaher gibt, weiß hoffentlich der Autor. Denn wer die Unterschiede nicht kennt, hat schon die erste Sachkundeprüfung nicht bestanden.
    In der Tat beeinträchtigen Angler, Jogger, aber auch freiherumlaufende Hunde ganz erheblich das Naturschutzgebiet im Norden der Insel und die angrenzenden Bereiche. Nur sind dann wassrertouristische Beeinträchtigungen weniger problematisch ? Die Beeinträchtigungen beziehen sich auf Anlegen, betreten und nicht wenigem Campen am Ufer. Oft genug, dass man solche Leute unter Androhung der Polizei vertreiben musste und dafür häufig saublöde Kommentare erntete. Was ist so schwer einfach mal zu begreifen Natur- und Landschaftsbereiche einfach mal in Ruhe zu lassen ?! Warum muss man denn bis in jedes letztes Teil der Natur herumkraxeln und paddeln ? Mal in den Sinn gekommen, dass sich hier Tiere aufhalten, welche z.B. mal Ruhe zur Brut benötigt, wie z.B. der Eisvogel, die Beutelmeise und schlicht und ergreifend auch die Stockente. Was gibt es dem Menschen das Recht sich ständig über das Ruhebedürfnis von teilen der Natur hinwegzusetzen. Und noch was lieber "Rio", seit nunmehr 34 Jahren beobachten und betreuen Mitglieder des heutigen AHA auch die Peißnitz und was wir seitdem erlebt haben füllt Bände. Also von wegen keine Beweise und Rückzugsgefechte des AHA. Offenbar brauchen manche Leute solche preudowissenschaftlichen Sprüche, um ehrenamtliche Arbeit zu diskreditieren. Mal mit offenen Augen und Ohren durch Natur und Landschaft gehen und nicht nur die Wahrnehmung auf das persönlich Gewünschte reduzieren hilft da ungemein weiter.
    Wie wäre es mal bei einer Exkursion des AHA dabei zu sein ?

    Nichts für ungut


    Andreas Liste
    Vorsitzender des AHA

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  2. Nachtrag: Wenn man die Presseerklärung des AHA genau durchliest -vorausgesetzt man möchte das-, dann kann man schnell erkennen, was der AHA wünscht. Was sollen dann solche Stammtischparolen, wie der AHA will die Peißnitz wieder wüst machen und sowas ? Kann man nicht einmal mit gebotener Sachlichkeit das Ganze aufnehmen ? Im Übrigen hat der AHA sich von Anfang für den Erhalt des Peißnitzhauses eingesetzt und den heutigen Förderverein initiiert. Da waren Andere noch voll gegen eine weitere Nutzung der "ideologischen Altlast". Also bitte mal alles in der richtigen Reihenfolge und im exakten Zusammenhang betrachten. Eben richtig und sorgfältig recherchieren !!!!!!!

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  3. Danke schön für die sachliche Meinungsäußerung, Herr Liste, das ist heutzutage selten. Im Prinzip sind wir einer Meinung, bis auf einen kleinen oder großen Unterschied. Für Sie ist die Peißnitz Natur. Für mich ist die Peißnitz ein Teil der Stadt und der menschlichen Besiedlung und das nachgewiesenermaßen seit über 1000 Jahren. Für beide "Nutzungen" ist auf der Peißnitz Platz, wenn Rücksicht genommen wird. Verboten helfen selten weiter. Wie aber bringen wir die Menschen dazu auf die Natur und einander Rücksicht zu nehmen? Über das Anlegen und Campen sind wir auch einer Meinung. Aber das ist mir im Gegensatz zu den vielen Anglern noch nicht aufgefallen. Diese sind nun auch öfters an der wilden Saale zu beobachten, was Ihnen bis auf ein kleines Stück, auch erlaubt ist. Wie wollen Sie dann den Paddlern das Anlegen verbieten? Schon eine schwierige Sache.
    Ihr alter Rio

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  4. Wissen Sie, auch der AHA sieht an erster Stelle genauso die Überzeugungsarbeit. Nicht umsonst finden unsererseits jeden Samstag Exkursionen statt. Nur alleine reicht Überzeugungsarbeit leider nicht aus. Dann sind Verbote erforderlich, welche es auch konsequenz durchzusetzen gilt. Von daher hatte der frühere AKUS 1983 erreicht, dass die Wilde Saale für jeglichen Bootsverkehr gesperrt war. Das muss auch weiter gelten. Abgesehen davon, dass man die angelandete Kiesbank in der Wilden Saale im Bereich des Sandangers verschwinden müsste. Also, lassen wir doch einfach mal Bereiche der Natur in Ruhe. Was tut es uns denn weh ? Der Natur tut es gut.

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  5. Lieber Herr Liste,
    wenn Sie nicht überzeugen können, dann erreichen Sie mit Verboten gar nichts. Sie müssen erreichen, dass sich die Leute verantwortlich fühlen. Exkursionen sind da sicher ein guter Weg, aber vielleicht informieren Sie auch regelmäßig am Peißnitzhaus. Das wäre eine tolle Sache.
    Eine Beseitigung der Kiesbank steht bei der Stadt nicht zur Diskussion. Für das LHW lege ich da aber meine Hand nicht ins Feuer.
    Ja, ich bin für eine Freigabe, aus dem Grunde weil sich die Stadt und wir einig sind, dass die wilde Saale für Paddler (nicht für Motorboote) gut geeignet ist. Der Rundkurs ist sehr attraktiv. Eine Beeinträchtigung der Natur sehe ich (anders als bei der Masse an Anglern und Joggern, Radfahrern etc., die in vielen größeren Umfang vorhanden sind) nicht. Ein Anlegeverbot in der wilden Saale (oder an allen nicht geeigneten Stellen) wäre ein guter Kompromiss. Das werde ich den zuständigen Kanälen bei der Stadt vorschlagen. Wir sollten über das Thema im Gespräch bleiben. Vielen Dank auf jeden Fall für den Hinweis.

    Ihr Rio

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